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Keine Freiwilligendienste erster und zweiter Klasse!

Zur gegenwärtigen Diskussion um die Aussetzung der Wehrpflicht und der möglichen Einführung eines freiwilligen Zivildienstes erklärt der kommissarische Generalsekretär des CVJM-Gesamtverbandes in Deutschland e. V. (Christlicher Verein Junger Menschen) Klaus Martin Janßen:

Die Aussetzung der Wehrpflicht ist ein Schritt in die richtige Richtung. Die zwangsweise Verpflichtung von jungen Staatsbürgern stellt einen schwer-wiegenden Eingriff in deren Freiheit dar, den der Staat sehr gut begründen muss. Die Veränderung der Aufgaben der Bundeswehr und die damit einhergehende Wehrungerechtigkeit haben schon lange Zweifel an der Berechtigung und Sinnhaftigkeit der Wehrpflicht aufkommen lassen.

Für die Einführung eines sogenannten freiwilligen Zivildienstes sehen wir keinerlei Handlungsbedarf. Denn es gibt bereits freiwillige Dienste von jungen Menschen für die Zivilgesellschaft, nämlich die Freiwilligendienste. Seit Jahren fordern die Träger der Freiwilligendienste deren bedarfsgerechten Ausbau. Die Aussetzung der Wehrpflicht und der damit verbundene Wegfall des Zivildienstes bieten die Chance, die Freiwilligendienste jetzt bedarfsgerecht auszubauen, ohne dass es den Steuerzahler einen einzigen zusätzlichen Euro kostet. Wenn die Freiwilligen-dienste bedarfsgerecht finanziert und weiterentwickelt und die in einem Frei-willigendienst erworbenen Kompetenzen für die weitere Ausbildungsbiografie anerkannt und angemessen berücksichtigt werden, dann werden auch genügend Freiwillige zur Verfügung stehen, ohne dass es dafür eines neuen Instrumentes und Institutes wie den sogenannten freiwilligen Zivildienst bedarf.

Wir befürchten, dass die Einführung eines sogenannten freiwilligen Zivildienstes fast zwangsläufig zu Freiwilligen erster und zweiter Klasse führen wird: Freiwillige Zivildienstleistende (Staatliche Freiwillige) würden weiter die staatlichen Zivil-dienstschulen füllen (ohne bislang bekannt gewordene Bildungstage). Sie bekämen weiter Sold, der höher wäre als das Taschengeld der Freiwilligen im FSJ, und ein Freifahrtticket der Deutschen Bahn. Die Freiwilligen, die einen Frei-willigendienst leisten, erhielten weiter das niedrigere Taschengeld, kein Freifahrt-ticket der Deutschen Bahn, dafür aber qualitativ hochwertige, praxisorientierte Seminare (25 Tage) und eine bewährte und gute pädagogische Begleitung. Für diese Zweiklassenlösung gibt es keinen vernünftigen Grund, weder für junge Männer noch für junge Frauen.

Wir fordern

  • den bedarfsgerechten Ausbau der Freiwilligendienste
  • die Beibehaltung der Dauer und der jetzigen hohen Qualitätsstandards der Seminare und der pädagogischen Begleitung für alle Freiwilligen
  • ein Freifahrtticket für die Fahrten zwischen Heimatort und Einsatzort, so wie es jetzt schon für Wehr- und Zivildienstleistende selbstverständlich ist
  • ein Taschengeld für alle Freiwilligen, das sich in seiner Höhe am jetzigen Taschengeld für die Teilnehmenden an den Freiwilligendiensten orientiert
  • eine bessere Anerkennung der in einem Freiwilligendienst erworbenen Kompetenzen und der für die Gesellschaft erbrachten Leistungen in der weiteren Ausbildungs- und Berufsbiografie.

Kassel, den 25. August 2010