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Das Jugendverbandsverständnis des CVJM

5. Dezember 1998

1. Theologische Grundlegung

Die Grundlage aller CVJM-Arbeit ist die Pariser Basis des Weltbundes der CVJM von 1855. Sie wurde vom 14. Weltrat der CVJM im Juli 1998 in Frechen bei Köln als weiterhin grundlegende Aussage bestätigt.

Sie lautet: "Die Christlichen Vereine Junger Männer haben den Zweck, solche jungen Männer miteinander zu verbinden, welche Jesus Christus nach der Heiligen Schrift als ihren Gott und Heiland anerkennen, in ihrem Glauben und Leben seine Jünger sein und gemeinsam danach trachten wollen, das Reich ihres Meisters unter jungen Männern auszubreiten."

Seit 1985 gilt in Deutschland eine Zusatzerklärung, die der gleichberechtigten Beteiligung von Mädchen und Frauen und der Änderung des Namens in "Christlicher Verein Junger Menschen" entspricht: "Die CVJM sind als eine Vereinigung junger Männer entstanden. Heute steht die Mitgliedschaft allen offen. Männer und Frauen, Jungen und Mädchen aus allen Völkern, Konfessionen und sozialen Schichten bilden die weltweite Gemeinschaft im CVJM. Die Pariser Basis gilt heute im CVJM-Gesamtverband in Deutschland e.V. für die Arbeit mit allen jungen Menschen."

Der CVJM orientiert sich an dem Grundsatz der "christlichen Leiterschaft und offenen Mitgliedschaft". Wer Leitungsverantwortung übernimmt, soll der Pariser Basis zustimmen können. Damit bekommt und erhält der CVJM ein ökumenisch-christliches Profil, das nicht konfessionell eingeengt werden darf. Er wendet sich in seinen Programmen zugleich an alle jungen Menschen, nicht nur an solche, die sich christlich verstehen.

Aufgrund des biblischen Verständnisses von der Berufung der Menschen zum Leben in der Gemeinschaft mit Gott durch Jesus Christus sowie zum Leben in der Gemeinschaft der Christen und zum Dienst in der Welt, werden im CVJM alle zum Glauben an Jesus Christus eingeladen. Alle, die diese Einladung annehmen, können und sollen ihre Gaben als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einsetzen. Der Entdeckung, der Förderung und dem Einsatz der Begabungen gilt im CVJM besondere Aufmerksamkeit. Ehrenamtliche und hauptamtliche Arbeit ist gleichwertig. Der ehrenamtlichen Leitungsverantwortung kommt im CVJM eine hohe Bedeutung zu.

Entsprechend der Pariser Basis sind die Verantwortlichen durch ihr Bekenntnis zu Jesus Christus verbunden. Sie leben in der Gemeinschaft der Christen, die in der Bibel als Leib des Jesus Christus bezeichnet wird. Wie die Glieder in einem Leib sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im CVJM auf wechselseitige Ergänzung angewiesen. Das schützt einerseits vor Überforderung der Einzelnen und fördert andererseits den wirkungsvollen Einsatz aller, ihren Begabungen entsprechend. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im CVJM bilden eine Glaubens-, Lebens- und Dienstgemeinschaft, deren Gestaltung besondere Aufmerksamkeit erfordert.

Weil in Jesus Christus die Liebe Gottes zu jedem Menschen und zur ganzen Welt offenbart ist, hat jedes Kind, jeder Jugendliche und jeder junge Erwachsene einen unverlierbaren Wert um seiner selbst willen. Kinder- und Jugendarbeit wird deshalb nicht unter dem Gesichtspunkt der Nachwuchssicherung von Erwachsenenorganisationen angesehen. CVJM-Arbeit bietet den Raum für die Entdeckung und Entwicklung der Begabungen von Kindern und Jugendlichen sowie für die Entfaltung ihrer Kreativität und die Übernahme von Verantwortung für sich selbst und die Gemeinschaft. Organisationsformen sind nicht Selbstzweck, sondern Hilfen zur Übernahme von Verantwortung.

Weil Gott den Menschen als soziales Wesen mit Einheit von Leib, Seele und Geist geschaffen hat, orientieren sich die Programme und Aktivitäten des CVJM an der Ganzheitlichkeit.

Weil Gottes Liebe der ganzen Welt gilt, bietet der CVJM als weltweite Gemeinschaft Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Möglichkeit zu ökumenischem Lernen und zur Übernahme weltweiter Verantwortung.

2. Jugendverbandliches Selbstverständnis, Aufbau und Arbeitsweise

Der CVJM ist ein bundesweit arbeitender unabhängiger christlich-ökumenischer Jugendverband, mit selbständigen und demokratischen Strukturen auf allen Ebenen, in denen gewählte ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Leitungsverantwortung tragen. Die allgemein anerkannten Merkmale von Jugendverbandsarbeit, nämlich Freiwilligkeit, Selbstorganisation und Ehrenamtlichkeit kennzeichnen die CVJM-Arbeit.

Der CVJM auf der Bundesebene ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (aej) und im Diakonischen Werk der EKD. Die aej vertritt den CVJM im Deutschen Bundesjugendring. In den meisten Bundesländern vertritt der jeweilige Landeszusammenschluss der evangelischen Jugend den CVJM im Landesjugendring. Die CVJM-Ortsvereine, CVJM-Kreisverbände und Bezirksjugendwerke vertreten sich in der Regel selbst in den Stadt- und Kreisjugendringen vor Ort.

Die Kinder- und Jugendarbeit vor Ort wird von den finanziell und juristisch selbständigen CVJM-Ortsvereinen eigenverantwortlich geleistet. Übergeordnete Strukturen beschränken sich auf Gemeinschaftsaufgaben, die von den Ortsvereinen nicht selbständig erfüllt werden können (z.B. Aus- und Fortbildung, jugend- und kirchenpolitische Vertretung auf Landes- und Bundesebene).
Der CVJM ist darüber hinaus auf europäischer Ebene und weltweit organisiert.
Im CVJM arbeiten ca. 25.000 Jugendliche und (junge) Erwachsene ehrenamtlich mit, zusammen mit ca. 600 hauptamtlichen Mitarbeitern.

Neben kirchlichen und öffentlichen Zuschüssen ist es selbstverständlich, dass beträchtliche Teile der finanziellen Mittel durch die Mitglieder und Freunde des CVJM aufgebracht werden.

Der CVJM-Gesamtverband in Deutschland verfügt mit dem CVJM-Kolleg über ein eigenes Aus- und Fortbildungsinstitut.

3. Ehrenamtliche Verantwortung

Die Motivationen ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Engagement reichen von missionarischen Motiven bis zu Wünschen nach Gemeinschaft mit anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, nach Selbstverwirklichung, Spaß und Anerkennung durch andere. Die unterschiedlichen Motive werden in der Regel nicht als Widersprüche gesehen. Diese Erkenntnisse werden bei der Gewinnung Ehrenamtlicher berücksichtigt.

Damit ehrenamtliches Engagement gelingt, haben Ehrenamtliche einen Anspruch auf einen partnerschaftlichen Umgang seitens der Hauptamtlichen, sowie auf kontinuierliche und aufgabenbezogene Aus- und Fortbildung.

Ehrenamtliche arbeiten entsprechend ihren Begabungen, ihrem Alter und ihren zeitlichen Möglichkeiten in unterschiedlichen Arbeitsfeldern und in unterschiedlicher Intensität mit. Dabei ist jeder Dienst wichtig und jede Mitarbeit verdient Anerkennung.

Ehren- und hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen sich gegenseitig ergänzen. Ehrenamtliche sollen dabei ihre im persönlichen wie im beruflichen Leben erworbenen Kompetenzen, einschließlich ihrer teilweise größeren Nähe zur Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen, in ihr ehrenamtliches Engagement einbringen.

Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind bereit, Zeit und Geld für ihre Aufgaben einzusetzen.

Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollen Vorbilder im Glauben und Leben sein, an denen sich Kinder und Jugendliche orientieren können. Das ist ein hoher Anspruch, der auch bruchstückhaft nur dann zu verwirklichen ist, wenn sie in der Gemeinschaft mit anderen Christen geistliche Zurüstung und Korrektur erfahren. Ehrenamtliche wachsen mit ihren Aufgaben.

4. Anforderungsprofil an hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter teilen mit jungen Menschen Glauben und Leben in unterschiedlichen Formen, besonders in gruppen- und programmorientierter Jugendarbeit, in offenen und projektbezogenen Angeboten und durch persönliche Begleitung.

Hauptamtliche fördern Ehrenamtliche. Dazu gehören insbesondere die Gewinnung, Schulung und Begleitung Ehrenamtlicher und die Anerkennung ihrer Arbeit.

Hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nehmen den jugend- und gesellschaftspolitischen Auftrag, die Interessenvertretung von jungen Menschen und der Jugendverbandsarbeit als Selbstorganisation von Kindern und Jugendlichen in den eigenen Verbandsgremien, in den Gremien der Landeskirchen, in Jugendringen und Jugendhilfeausschüssen wahr und gewinnen, fördern und begleiten ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für/bei diese(n) Aufgaben.
Hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind über die Vorbildrolle im Klaren, die sie Kindern, Jugendlichen und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegenüber wahrzunehmen haben.

Der fachliche Dialog und die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im eigenen Verband sowie in anderen Verbänden und Einrichtungen werden vorausgesetzt. Dies schließt auch öffentliche und kirchliche Träger ein.

Hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter achten auf ihre Fortbildung, die die Qualität ihrer Arbeit sichern hilft und ihnen berufliche Perspektiven für spätere Lebensabschnitte eröffnet.

5. Wesensmerkmale der CVJM-Arbeit

Die CVJM-Arbeit ist weltweit gekennzeichnet durch ihre missionarische Ausrichtung, durch ihr ganzheitliches Programm, durch ehrenamtliche Verantwortung, durch ökumenische Weite, durch offene Mitgliedschaft und christliche Leiterschaft.

Bei der Wahl der Arbeitsformen werden die Situation von Kindern und Jugendlichen, die örtlichen Gegebenheiten und die Kompetenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter berücksichtigt. In den sich ergänzenden Programmen sollen junge Menschen nach Körper, Psyche und Geist angesprochen und damit eine ganzheitliche Entfaltung des Glaubens angestrebt werden.
Basis der CVJM-Arbeit ist weitgehend die wöchentlich stattfindende Gleichaltrigengruppe. Daneben gibt es Formen der offenen Kinder- und Jugendarbeit, wie Jugendcafes, Sporttreffs und Projekte. Gerade damit gelingt es dem CVJM, Kinder und Jugendliche aus Zuwandererfamilien – auch aus anderen Religionen -, aus sozial schwierigen Verhältnissen, sowie kirchendistanzierte Kinder und Jugendliche zu erreichen. Der CVJM leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Integration.

Neben diesen Angeboten, in denen auch soziales Handeln eingeübt wird und die damit einen erheblichen präventiven Charakter besitzen, gibt es für den Einzelnen Möglichkeiten zur Seelsorge und Beratung für die unterschiedlichsten Lebenssituationen.
Geschlechtsspezifische Angebote und koedukative Programme sollen die individuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen fördern.

An vielen Orten wird ein Schwergewicht auf Maßnahmen zur sozialen und beruflichen Integration und Qualifizierung gelegt. Das Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands als Mitgliedsverband des CVJM-Gesamtverbandes stellt sich in besonderer Weise dieser Herausforderung.

Besondere Angebote und Aktionen wie Outdoor-Aktivitäten, Sportturniere, jugendkulturelle Veranstaltungen, Bildungsseminare, Jugendgottesdienste und Ferienmaßnahmen sind sehr gute Möglichkeiten, um gemeinsames Leben einzuüben und Gemeinschaft zu erfahren. Hier werden zum Teil auch Kinder und Jugendliche angesprochen, die durch andere Veranstaltungen nicht erreicht werden.

Die internationale Einbindung des CVJM bietet eine Fülle von Gelegenheiten für länderübergreifende Kontakte durch Begegnungsprogramme, Workcamps und Partnerschaften. Diese Chancen und die damit verbundenen Herausforderungen werden von den CVJM in Deutschland intensiv wahrgenommen.

Beschlossen vom Vorstand des CVJM-Gesamtverbandes in Deutschland e. V. am 5. Dezember 1998